| :: Codex Atlanticus - Seite 133, hinten
| | Der Unterschied zwischen der Rückseite von Blatt 133 und dessen Vorderseite oder anderen von Leonardo geschaffenen Skizzen ist offensichtlich. Was sagen die Experten also zu den weniger gelungenen Seiten, auf denen sich das Fahrrad befindet? Sehen wir uns die Rückseiten der
"sfoglia 132" und
"sfoglia 133" nochmal genauer
an: |
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| Wenn man die Seiten nebeneinander legt dann erkennt man, dass sie ursprünglich zusammen gehörten und Leoni sie auseinander geschnitten haben muss. Die Abbildungen im unteren Teil ergänzen sich, dazu erkennt man spiegelbildlich Abdrücke von Objekten auf der jeweils gegenüberliegenden Seite, ergo wurde das Blatt zusammengefaltet. Und was erkennt man nun darauf? Die allgemeine Deutung, die im wesentlichen auch im italienischen Kommentar von Marinoni auf der Ambrosia-Seite enthalten ist, lautet etwa wie folgt: Man sieht die Karrikatur eines langhaarigen Jünglings, im unteren Teil wandelnde Phalli mit Schwänzen, eine eigenartige, schlüssellochartige Struktur und einen mit "Salaj" beschrifteten Kreis, so wohl die neutrale Beschreibung. Interpretiert wird dies dann als Verunglimpfung des Leonardo-Günstlings Giacomo Caprotti (="Salaj", abgebildeter Jüngling), der bei den anderen Schülern in Leonardos "Bottega" wenig beliebt gewesen sein soll, und dem homosexuellen Leonardo möglicherweise auch als Lustknabe gefällig war. Letzteren Zusammenhang sollen die Phalli und die Strukturen rechts davon illustrieren.
Kann sein - oder auch nicht, einen echten Beweis scheint es dafür nicht zu geben, ebenso gut könnte das pubertäre Gekrakel auch später auf dem Irrweg des Codex hinzugekommen sein. Jedenfalls gibt es keinen erkennbaren Bezug zur Skizze des Fahrrades, die sich sowohl stilistisch als auch farblich vom Rest unterscheidet, mal ganz von der 90 Grad-Drehung abgesehen. Auf jeden Fall: Das Rad stammt nicht aus der Hand Leonardos! Dafür ist die Zeichnung viel zu grob, die Kurbeln sind viel zu lang, alles nicht der Stil des Meisters. Von wem dann?
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| :: Zeichner des Fahrrades, "offizielle Version" |
Die Marinonische Theorie besagt, dass das Fahrrad von einem zeitgenössischen Schüler Leonardos gezeichnet wurde, der damit die Idee oder den bis heute verlorenen Entwurf seines Meisters aufgegriffen hat. Im Ambrosia-Kommentar zu
"sfoglia 133" heisst es:
L’unica soluzione verosimile dell’enigma ci sembra quella che attribuisce a uno scolaro principiante di Leonardo l’intenzione di copiare un disegno – oggi perduto – del Maestro...
(wer italienisch kann ist klar im Vorteil, können wir nicht, aber babelfish machts möglich). Der Umstand, dass nicht Leonardo selbst, sondern einer seiner Schüler das Rad gezeichnet hat, tut ja der Sensation an sich keinen Abbruch. Denn das wäre ja immer noch zum selben frühen Zeitpunkt gewesen. Und angesichts der anderen Ideen Leonardos wäre es ja auch nicht unvorstellbar, dass die Idee zum Fahrrad moderner Prägung von ihm stammt und nur auf Umwegen der Nachwelt erhalten geblieben ist. Dass einige seiner Originale im Laufe der Zeit verloren gegangen sind, ist ja eher wahrscheinlich. |
| :: Die Kette als Antrieb |
| Wie wir schon berichteten, gab es in der Leonardo-Ausstellung auch den Nachbau einer Art kettengetriebenen Winde zu sehen, die Leonardo zum Heben von Gewichten konzipiert hatte. |
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Allerdings findet sich dieser Entwurf nicht im Codex Atlanticus, sondern in einer anderen Sammlung von Leonardo-Manuskripten, die nach ihrem Fundort, der Spanischen Nationalbibliothek in Madrid Codex Madrid genannt wird. Diesen fand der amerikanische Hispanologe Jules Piccus durch glücklichen Zufall 1967 in einem der Archive. Kurze Zeit später wurden besagte Zeichnungen des
"Kettenantriebes" zur Illustration der Entdeckung publiziert. Vertreter der Theorie von Marinoni werten diesen Umstand als Stütze ihrer These: wenn schon die grundlegenden Elemente des kettengetriebenen Fahrrads Leonardo bekannt gewesen sind (an der Echtheit der Zeichnungen im Codex Madrid besteht kein Zweifel), dann macht das auch deren Weiterentwicklung zum vollständigen Gefährt wahrscheinlicher.
-> weiter
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