:: Temperaturen und Prozente
Wie bereits angedeudet, selbst im September kann es zum radfahren zu heiss sein und der Asphalt kann glühen. Der ist allerdings weitgehend auch Rennrad-tauglich, bei Abfahrten ist aber immer Vorsicht geboten, das eine oder andere Schlagloch und Spurrillen lauern unterwegs schon. Empfehlenswert ist auch eine bergtaugliche Übersetzung, mit 53-39 auf 11-23 würde ich hier nicht anrücken. An einigen Rampen braucht sich auch niemand seiner drei Kettenblätter zu schämen. Wie gesagt, wir hatten MTB-Übersetzung, und auch damit wars kein reines Zuckerschlecken.
:: Die Königsetappe
Also gut, wenn man schon mal die Gelegenheit, innerhalb von 48 km von Meereshöhe auf knapp 2000 Meter Höhe zu fahren, dann versucht man es ja auch. Start war dem Wetter entsprechend kurz vor acht am Morgen und erstes Etappenziel war der Mirador de Fataga, der auf 450 Metern einen ersten Blick auf Barrancos (das sind die sternförmig vom Inselzentrum ausgehenden Täler) und das Meer frei gibt (Mirador = Aussichtspunkt). Der Anstieg dazu beginnt direkt hinter Maspalomas und erstreckt sich auf 8-10 km. Hier traf ich einen Rennradler, einen Schweizer, der sich hier allmorgendllich zum Training hochwuchtete. Er machte das tatsächlich auf zwei Kettenblättern, ein gehöriger Kraftakt. Am Mirador trennten sich unsere Wege, ich fuhr weiter Richtung Fataga, er zurück ins Tal.

Einmal rauf und gleich wieder runter
Dazu geht es zunächst mal steil bergab, eine Serpentine, in der Busse und Touristen-Jeeps auch ihre Schwierigkeiten haben. Danach fährt man bei gemässigter Steigung etwa 10 km bis nach Fataga. Auf kurvenreicher Strasse gehts dann bei 5-8% weiter in Richtung San Bartolme de Tirajana (850m), wo man gleich Wasser nachtanken sollte. Danach gehts nämlich praktisch ohne Schatten auf etwa 5,5 km bei 5-9% zum Paso de la Herradura, einem auf 1200 m gelegenen Felsdurchbruch.
:: Kurze Erholung
Es folgt ein längeres, welliges aber vergleichsweise flaches Stück nach Ayacata (1300 m). Auch hier kann man an der kleinen Kneipe nochmal Wasser kaufen. Denn jetzt gehts los, es folgen in Richtung Roque Nublo (weithin sichtbarer allein aufragender Felsen und Inselwahrzeichen) mehrere Kilometer mit etwa 10%-iger Steigung.
Am Nublo-Parkplatz angekommen lässt die Steigung allerdings wieder nach, und es geht durch bewaldete Region relativ flott voran. Erst die letzten zwei- bis dreihundert Höhenmeter werden nochmal heftig, wenn man zum militärischen Sperrgebiet kommt, hat mans aber fast geschafft. Die Zielgerade führt dann zum Aussichtspunkt vor dem Gipfel, wegen der Radaranlagen kommt man nicht bis ganz nach oben. Man hat nun einen herrlichen Blick, auf die zurückgelegte Strecke und mit Glück hinüber nach Teneriffa und zum Teide.
:: Zur Belohnung: Abfahrt!
Wenn man nun nach 2200 Höhenmetern ein bisschen stolz hier oben steht, dann herrscht natürlich Vorfreude darauf, alles wieder runterrollen zu können, mal von ein paar Gegenanstiegen abgesehen. Also nichts wie los! Wenn man wieder am Mirador de Fataga angekommen ist, dann hat man die Tour geschafft!
Zurück am Mirador de Fataga
:: Fazit
Im Tour-Magazin (Ausgabe 11/2003) steht ein ziemlich guter Artikel über Gran Canaria als Ziel für (Renn-)Radfahrer. Auch dort der Tenor: kein leichtes Terrain! Sobald man von der Küste wegfährt, dahin wo es schön ist, heisst es klettern, und zwar steilere Rampen als z.B. auf Mallorca, wo man ja kaum über längere Strecke mehr als 5-6% drücken muss. Hier sind zweistellige Steigungen aber üblich und das sollte man im Vorfeld berücksichtigen!