:: Hunger auf dem Weg nach Kierspe  |
| Mittlerweile sind nun etwa 140 km zurückgelegt und es wäre Zeit, noch mal ordentlich Futter nachzulegen. Aber mein Mensch begnügt sich mit einem halben Rosinenbrötchen und Apfelschorle. Und so geht es dann, nachdem das schwarz-gelbe "Batmobil" vom anderen Mensch von einem Sportsfreund wohlwollend bestaunt wurde, wieder auf die Piste Richtung Herscheid und Fürwigge- Talsperre. In Richtung Versetalsperre rollts noch gut, dann kommt aber der Anstieg Richtung Lengelscheid, der über den mit 515 m höchsten Punkt der Strecke in Werkshagen führen soll. Und da bleibt mein Mensch praktisch stehen- Hungerast! Zu wenig Suppe, zu wenig Rosinenbrot, Beine leer. Da gibst nur eins: irgendeinen Rhythmus finden, ruhig kurbeln und hoffen, dass es irgendwann bergab gehen wird. Der Menschen-Kumpel nimmt das Tempo raus und wartet. Und tatsächlich gehts dann irgendwann bergab. Bis dahin hätte ich meinem Mensch während der Fahrt aber einen Reifen flicken können, vom Blümchen pflücken mal ganz abgesehen. Der erste reingeschobene Riegel wirkt zwar noch nicht richtig, aber es geht einigermassen weiter bis zum nächsten Halt in Kierspe. Zunächst wird ein Nutella-Brot verschlungen, dann noch ein Riegel, massenweise Apfelschorle drauf gekippt und zum Schluss eine Tube widerlich aussehende spezial Kraftnahrung reingedrückt.
Das weckt schon mal Lebensgeister. |
:: Schlussspurt der Wahnsinnigen  |
| Die ersten zwei Kilometer nach der Pause fahren die Menschen noch mit einer kleinen Gruppe mit, 170 Kilometer sind ja nun geschafft aber 50 kommen noch, die kenne ich aber schon aus den letzten Jahren, sind zwar noch einige Kanten drin, aber das Schlimmste ist überstanden. Dann merkt mein Mensch aber, dass wieder Power in den Schenkeln ist und ab jetzt gibts kein Pardon mehr. Meine Herren, es wird wieder reingehalten! Die Gruppe wird stehen gelassen und es wird ein Tempo angeschlagen, als wenn wir grad erst losgefahren wären. Eben noch praktisch am Tropf gehangen, jetzt rauschen den beiden wohl die Endorphine durch den Körper, jede Welle hinter Anschlag wird auch am Anschlag überbrettert, jeder am Horizont auftauchende Fahrer wird zur nächsten Beute auserkoren, nee, was haben die beiden plötzlich Spass! Kurz vor der Ennepetalsperre wird der Tacho im starren Blick gehalten, die 200 Kilometermarke fällt hier. Als Neuerung wird diesmal die Staumauer überquert, die folgende kurze Rast unterbricht nur kurz die Ballerei. |

Hab ich mir verdient - über 9 Stunden Radbeifahrer, das schlaucht! |
|
Auf der meist leicht abschüssigen Holperpiste (auch bekannt von der schon erwähnten Bezirks-RTF) arbeiten die beiden sich noch an zwei Motorräder ran, die sich brav an die Tempo 30-Begrenzung halten, irgendwann haben wir die tatsächlich eingeholt und nur eine Gegensteigung verhindert das Überholen. Hinein nach Ennepetal wird weiter gebolzt, was das Zeug hält, bei einem längeren Ampelstop fährt von hinten ein Trio auf (mit dem waren wir morgens übrigens auch zeitgleich losgefahren), das den beiden anerkennend zu verstehen gibt, sie hätten doch wohl eine Schraube locker! Und schwupps sind die auch wieder aus dem Blick verschwunden, die letzte Steigung in Gevelsberg machts möglich und es wird nochmal ordentlich am Rad gedreht. Nach 8 Stunden 25 Minuten reiner Fahrzeit und über neuneinhalb Stunden insgesamt heisst es: geschafft! Schnell die Nummern abgegeben und gelernt: Kein Bembel im Startgeld enthalten, dafür gibts aber wenigstens eine Medaille. Können die Menschen zwar kein Bier draus trinken, aber ich kann mich damit knipsen lassen. |
|
:: Panthermeinung |
| Nun, über die Streckenführung brauch ich ja kein Wort mehr verlieren, schlichtweg genial. Tja, und hätte ich ja nicht gedacht, dass sich mein Mensch nach dem Zwischentief nochmal so gut erholt, Nutella machts möglich. |

Im Ziel wurde erstmal die Kamera gezückt, so fertig sieht mein Mensch gar nicht aus, da strömen noch die Glückshormone. |
Hätte aber auch nicht gedacht, dass sein Kumpel so souverän durchhält,
der hat doch noch nie mehr als 130 km am Stück hingelegt
und ist nicht gerade die typische Bergziege!
Das Lauftraining hats wohl gebracht, ein Hoch auf die aerobe Kapazität...
Jedenfalls mussten wir uns in den folgenden Tagen noch oft die euphorischen
Berichte von der Marathonpremiere anhören, da gabs aber immer leuchtende
Augen und zunehmend phantastischere Schilderungen der Geschehnisse.
Seid froh, dass Ihr mich als einigermassen neutralen Beobachter habt!
-> Auflage 2006
|

Überrascht durch radlerisches Stehvermögen und überzeugt durch abgestimmten Look, der Kumpel vom Mensch, DaCube. |
|
|
|