:: 16-Talsperrentour Gevelsberg Marathon 220km 2700hm
Dieses Jahr (2005) war es endlich soweit: In Gevelsberg gibts die volle Dröhnung! Dank vielversprechender Wettervorhersage und einem willigen Mitstreiter gings in Gevelsberg in diesem Jahr über die Marathonstrecke. An die Seite meines Menschen gesellte sich einer seiner Kumpel, laufender Marathonmann und auch Scott-Fahrer, allerdings in der gesteigerten, nagelneuen schwarz-gelben Team-Issue-Carbon-Version mit farblich passendem Saunier- Duvall-Kostüm. Für beide der erste offizielle Radmarathon und auch die bisher längste Strecke überhaupt. Hab mir die Show natürlich nicht entgehen lassen und berichte euch jetzt, wie es den beiden ergangen ist. Details zur Strecke und Veranstaltung findet ihr wieder beim Ausrichter, dem Skiclub Gevelsberg.
:: Die Strecke
Den Streckenverlauf der 150km-Strecke hab ich Euch ja schon geschildert, die 200er zweigt irgendwo hinter der Aggertalsperre ab und trifft in Kierspe wieder auf die 150er-Strecke. Den Extra-Abschnitt schildere ich unten mal im Detail so gut ich das noch zusammenbekomme.
:: Bis Wipperfürth
Am Start drücken die beiden Menschen erstmal brav ihr Startgeld ab, noch in der leichten Hoffnung, dass darin zur Belohnung ihrer Mühen auch der traditionelle Krug enthalten ist. Bei Recht frischem Wetter gehts dann los, auf wärmende Kleidungsteile haben die beiden verzichtet. Und es geht verhalten los, der Respekt vor der Strecke ist gross, die beiden peilen einen Schnitt von 25 km/h an und wollen keinesfalls überziehen. Den ersten herrlichen Blick haben wir dann auf den im Nebel liegenden Beyenburger See, gleich dahinter gibts gleich ein paar Rampen serviert, weil irgendein umgekippter Strommast die Hauptstrasse blockiert. Nach dem knackigen Anstieg nach Herbringhausen folgt die erste Kontrolle, heute werden auch brav alle Stempel gesammelt. Unterwegs sieht man immer wieder dieselben Grüppchen, dabei auch eine grössere Gruppe um einen Bekannten von meinem Mensch, der sich aus der Heimat Kollegen zur Verstärkung hat anreisen lassen. Ich nenne die mal die "Tapire", stand auf deren Trikots. Dabei ist auch Zeit für ein Schwätzchen. Hinter Wipperfürth ist wieder Pause, mein Mensch muss ungefähr zum achten Mal pullern.
:: Über Marienheide zur Aggertalsperre
Als Duett fahren die Menschen dann Richtung Frielingsdorf und weiter hinauf nach Marienheide. Irgendwann kommt der Tapir-Zug vorbei, der hat aber ein paar Meter weiter eine Panne. An der Lingesee-Talsperre trifft man sich wieder und fährt von hier an gemeinsam zur Aggertalsperre. Auf den herzhaften Anstiegen nach Lieberhausen und Beustenbach fällt die Gruppe etwas auseinander und trudelt nacheinander an der Ingemerter Mühle ein, mittlerweile hat man die Ausläufer des Sauerlandes erreicht.
:: Mittagspause
Na hier ist was los! Gulaschkanone, Kaffee-Theke, belegte Brötchen - und es wird zugelangt. Auf Tischen und Bänken sitzen die ganzen Sportsfreunde in der Sonne und lassen es sich erstmal schmecken. Mein Mensch drückt sich auch ein kleines Tellerchen Suppe rein und ich denk mir schon, er sollte lieber noch ein paar Riegel oder sowas nachlegen, immerhin ist erst die Hälfte geschafft.

Mittagspause an der Ingemerter Mühlen...Photoqualität a la Handy.
Eigentlich hätte ich auch eher eine Spaghetti-Kanone erwartet. Ich drück mir jedenfalls noch ein bisschen Haribo aus der Dose rein, auch Beifahrer kriegen Hunger. Nach der Rast sind die Beine jedenfalls ganz schön schwer und die Menschen brauchen erstmal einige Zeit, um wieder in Tritt zu kommen.
:: Über Attendorn und Windhausen zur Oestertalsperre
Allerdings gehts gleich wieder zur Sache, hinauf nach Scheda sind 10% zu überwinden, und das mit der Suppe im Bauch! Zum Trost folgt eine längere Flachpassage entlang der Lister-Talsperre in Richtung Attendorn. Ab Merklinghausen beginnt zunächst ein flacher Anstieg, der plötzlich rechts in den Wald abzweigt und dann in die Vollen geht! Beide Menschen packen den kleinsten Gang aus, 39x25 und 34x25. Ziel ist Windhausen, von wo aus man einen tollen Blick in die Landschaft hat, ich zumindest, die Menschen müssen ackern. Abwärts gehts dann nach Lettmecke, wo der Anstieg zur Oestertalsperre beginnt und bald die vierte Verpflegungsstelle erreicht ist.

:: Hunger auf dem Weg nach Kierspe
Mittlerweile sind nun etwa 140 km zurückgelegt und es wäre Zeit, noch mal ordentlich Futter nachzulegen. Aber mein Mensch begnügt sich mit einem halben Rosinenbrötchen und Apfelschorle. Und so geht es dann, nachdem das schwarz-gelbe "Batmobil" vom anderen Mensch von einem Sportsfreund wohlwollend bestaunt wurde, wieder auf die Piste Richtung Herscheid und Fürwigge- Talsperre. In Richtung Versetalsperre rollts noch gut, dann kommt aber der Anstieg Richtung Lengelscheid, der über den mit 515 m höchsten Punkt der Strecke in Werkshagen führen soll. Und da bleibt mein Mensch praktisch stehen- Hungerast! Zu wenig Suppe, zu wenig Rosinenbrot, Beine leer. Da gibst nur eins: irgendeinen Rhythmus finden, ruhig kurbeln und hoffen, dass es irgendwann bergab gehen wird. Der Menschen-Kumpel nimmt das Tempo raus und wartet. Und tatsächlich gehts dann irgendwann bergab. Bis dahin hätte ich meinem Mensch während der Fahrt aber einen Reifen flicken können, vom Blümchen pflücken mal ganz abgesehen. Der erste reingeschobene Riegel wirkt zwar noch nicht richtig, aber es geht einigermassen weiter bis zum nächsten Halt in Kierspe. Zunächst wird ein Nutella-Brot verschlungen, dann noch ein Riegel, massenweise Apfelschorle drauf gekippt und zum Schluss eine Tube widerlich aussehende spezial Kraftnahrung reingedrückt. Das weckt schon mal Lebensgeister.
:: Schlussspurt der Wahnsinnigen
Die ersten zwei Kilometer nach der Pause fahren die Menschen noch mit einer kleinen Gruppe mit, 170 Kilometer sind ja nun geschafft aber 50 kommen noch, die kenne ich aber schon aus den letzten Jahren, sind zwar noch einige Kanten drin, aber das Schlimmste ist überstanden. Dann merkt mein Mensch aber, dass wieder Power in den Schenkeln ist und ab jetzt gibts kein Pardon mehr. Meine Herren, es wird wieder reingehalten! Die Gruppe wird stehen gelassen und es wird ein Tempo angeschlagen, als wenn wir grad erst losgefahren wären. Eben noch praktisch am Tropf gehangen, jetzt rauschen den beiden wohl die Endorphine durch den Körper, jede Welle hinter Anschlag wird auch am Anschlag überbrettert, jeder am Horizont auftauchende Fahrer wird zur nächsten Beute auserkoren, nee, was haben die beiden plötzlich Spass! Kurz vor der Ennepetalsperre wird der Tacho im starren Blick gehalten, die 200 Kilometermarke fällt hier. Als Neuerung wird diesmal die Staumauer überquert, die folgende kurze Rast unterbricht nur kurz die Ballerei.

Hab ich mir verdient - über 9 Stunden Radbeifahrer, das schlaucht!
Auf der meist leicht abschüssigen Holperpiste (auch bekannt von der schon erwähnten Bezirks-RTF) arbeiten die beiden sich noch an zwei Motorräder ran, die sich brav an die Tempo 30-Begrenzung halten, irgendwann haben wir die tatsächlich eingeholt und nur eine Gegensteigung verhindert das Überholen. Hinein nach Ennepetal wird weiter gebolzt, was das Zeug hält, bei einem längeren Ampelstop fährt von hinten ein Trio auf (mit dem waren wir morgens übrigens auch zeitgleich losgefahren), das den beiden anerkennend zu verstehen gibt, sie hätten doch wohl eine Schraube locker! Und schwupps sind die auch wieder aus dem Blick verschwunden, die letzte Steigung in Gevelsberg machts möglich und es wird nochmal ordentlich am Rad gedreht. Nach 8 Stunden 25 Minuten reiner Fahrzeit und über neuneinhalb Stunden insgesamt heisst es: geschafft! Schnell die Nummern abgegeben und gelernt: Kein Bembel im Startgeld enthalten, dafür gibts aber wenigstens eine Medaille. Können die Menschen zwar kein Bier draus trinken, aber ich kann mich damit knipsen lassen.
:: Panthermeinung
Nun, über die Streckenführung brauch ich ja kein Wort mehr verlieren, schlichtweg genial. Tja, und hätte ich ja nicht gedacht, dass sich mein Mensch nach dem Zwischentief nochmal so gut erholt, Nutella machts möglich.

Im Ziel wurde erstmal die Kamera gezückt, so fertig sieht mein Mensch gar nicht aus, da strömen noch die Glückshormone.
Hätte aber auch nicht gedacht, dass sein Kumpel so souverän durchhält, der hat doch noch nie mehr als 130 km am Stück hingelegt und ist nicht gerade die typische Bergziege! Das Lauftraining hats wohl gebracht, ein Hoch auf die aerobe Kapazität... Jedenfalls mussten wir uns in den folgenden Tagen noch oft die euphorischen Berichte von der Marathonpremiere anhören, da gabs aber immer leuchtende Augen und zunehmend phantastischere Schilderungen der Geschehnisse. Seid froh, dass Ihr mich als einigermassen neutralen Beobachter habt!
-> Auflage 2006

Überrascht durch radlerisches Stehvermögen und überzeugt durch abgestimmten Look, der Kumpel vom Mensch, DaCube.
:: GPS-Streckenkarte