:: HEW Cyclassics 120km, 200 hm, 32°C
Meine Ulle-Geschichte hab ich ja schon geschrieben, jetzt mal zum sportlichen Teil. Meine Menschen sind ja auch erstmalig angetreten. Ich erzähl mal, wie es ihnen ergangen ist.
:: Das Drumherum
Am besagten 1. Augustwochenende gingen auch einige Schulferien los, auch die in NRW, so dass die Anreise auf der Autobahn etwas zähflüssig ausfiel.
TIP 1: Verkehrs- und Schulferienlage prüfen und früh los fahren! In Hamburg endlich angekommen haben wir erstmal in die 5-Sterne-Hütte mitten an der Mönckebergstr. eingecheckt, also in unmittelbarer Nähe von Start und Ziel des Rennens. Die war nämlich kaum teurer als die anderen Hotels, haben im Sommer wohl saure Gurken Zeit und die Preise sind voll im Keller. War eine bequeme Angelegenheit, die hatten auch gleich eine Abstellmöglichkeit für die Räder vorgesehen, waren eh fast nur Fahrradfahrer drin untergebracht. Das Wetter war strahlend, der Auftakt zur Jahrhundert-Hitzewelle im August. Die Anmeldung verlief vormittags sehr zügig, zum Nachmittag und Abend soll es dann aber ziemlich voll geworden sein.
TIP 2: Samstag vormittag zur Anmeldung gehen! In der Stadt sah man dann schon Profiteams auf Trainingsfahrt, ein CSC-Trupp bretterte dabei bei Rot über die Kreuzung, wenn das der Bjarne wüsste!
TIP 3: Im Strassenverkehr auf wildgewordene Dänen achten! Abends gabs dann ein privates Nudelmampfen, boah, was finden die Menschen nur an dem Zeug?
: Die Startaufstellung
Sonntag morgen gings dann zum Start, vorbei an tausenden Fahrern (gemeldet 13.500!). Und wo standen wir dann? In Startblock T, das war ganz, ganz am Ende des Feldes, von den 13.500 Teilnehmer standen noch etwa 50 hinter uns, bitter. Ursachen dafür: Erstens: Die Erstteilnahme, ohne vorgelegte Zeit aus einer vorhergehenden Teilnahme heisst es sich weiter hinten einreihen.
TIP 4: Bei der ersten Teilnahme eine gute Zeit rausfahren. Zweitens: Die Teamwertung, wir hatten uns für die Teamwertung angemeldet, leider hat sich ein Teammitglied sehr spät angemeldet und das hat alle nach hinten befördert, weil die Teams offenbar zusammen aufgestellt werden, macht ja auch Sinn. TIP 5: Früh anmelden, sonst ist es entweder ausverkauft oder man muss hinten stehen.

Die letzten Heuler aus Startblock T ...
TIP 6: Nicht zusammen mit Spätanmeldern eine Teamwertung aufmachen. Da standen sie nun erstmal eine halbe Stunde, bis ihr Startblock losgelassen wurde: Meine beiden Menschen, der damalige Laufsportler Run-Jan und der aus dem Tour-Forum als "Peterchen" bekannte Big Hoppe. Die Herren hatten alle auf ihr Zweitmaterial gesetzt, das gute Material sollte nicht einem der angedrohten Massenstürze zum Opfer fallen. Dann gings los.
:: Die nervöse Startphase
Tja, da steht das Adrenalin bis zum Kinnriemen und die Beine platzen noch vor lauter Power, also wird reingehalten bis der Arzt kommt. Das ging ganz gut, das Feld hat sich durch den versetzten Start schon ziemlich entzerrt. Aber an der ersten zu überquerenden Strassenbahnschiene gehen schon die ersten Räder und Fahrer hops, Trinkflaschen und Pumpen fliegen durch die Gegend, weil der Ehrgeiz die Aufmerksamkeit lähmt.
TIP 7: Am Anfang die Nerven behalten und nicht blind in irgendeiner Gruppe ins Verderben rauschen, Augen auf halten und warten, bis sich die Gemüter einigermassen beruhigt haben.

Das Feld und ekstatische Fans am Wegesrand
Fällt natürlich schwer, das A&O ist es auf dem flachen Kurs natürlich, soviel Windschatten zu lutschen wie möglich und immer eine gute Gruppe zu erwischen. Ist aber nicht immer leicht. Oft rauscht links an einem ein Zug vorbei, auf den man gern aufspringen möchte, man kann sich aber nicht reindrängen, sondern muss versuchen, sich hinten dran zu hängen. Das versuchen natürlich auch andere Fahrer, die das Tempo aber nicht auf Dauer mitgehen können, abreissen lassen und einem damit die Tour vermasseln. Noch ein Grund mehr, am Start weiter vorne zu stehen.
:: 6 Minuten des Glückes
Die ersten 15 km werden locker mit einem 41er-Schnitt gefahren, Windschatten machts möglich. Dann aber plötzlich Stillstand im Feld. Vor uns stauen sich einige Hundert Fahrer und es geht nur im Schrittempo weiter, ätzend. Irgendwann wird dann ein Rettungswagen und ein Polizeikrad sichtbar, die sich um ein Sturzopfer kümmern. Tja, bis es dann weitergeht sind etwa 6 Minuten verloren und der Schnitt auf 35 abgefallen. Bitter für meinen Menschen, der die 120km ja in 3 Stunden schaffen wollte. Danach hat er jedenfalls am Rad gedreht und wollte es wieder rausfahren. Dafür hiess es bitter büssen!
:: Hitze und Krampf
Nach 50km kommt die erste Verpflegungsstelle, die man natürlich auslassen kann. Nach 80km kommt dann in Bergedorf die zweite und wenn es etwa 35Grad heiss ist, sollte man mal seinen Wasserstand prüfen. Es ist zwar ein schönes Gefühl, seine leere Trinkflasche profimässig in die Menschenmenge zu werfen, aber wenn man dann kaum noch Wasser hat, wirds bitter. So mein Mensch: kurz nach dem Anstieg in Harburg setzen Krämpfe ein, der Typ ist ausgetrocknet. Unter normalen Umständen wäre er wohl vorm Rad gestiegen und hätte Gymnastik gemacht, aber hier vor all den Leuten? Geht nicht, da wird auf der anschliessenden Abfahrt gedehnt so gut es geht und danch auf Sparflamme gefahren. An der Köhlbrand-Brücke gehts schon wieder einigermassen, aber der letzte Druck ist weg.
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