| :: Wie gewinnt man die Tour de France? |
Jeder Rennrad-Freak fragt sich irgendwann oder andauernd: Wo steh ich mit meiner Leistung, was habe ich
eigentlich drauf?. Blöd nur, wenn man als Hobby- und RTF-Fahrer keinen Vergleich im Rennen hat. Also muss man sich anders einsortieren.
Erste Frage dazu: Wie messe ich eigentlich mein Leistungsvermögen? Worauf kommts dabei an? Orientieren wir uns an der Tour de France.
Wer gewinnt da? Die Antwort ist einfach, es gewinnen diejenigen, die gleichzeitig
1. im Einzelzeitfahren über etwa eine Stunde allein gegen den Wind die höchste Geschwindigkeit v durchhalten können
und
2. im Klettern am Horse-Categorie-Schlussantieg der Bergetappen über auch etwa eine Stunde allein gegen die Schwerkraft die
höchste Geschwindigkeit v durchhalten können.
Sprinter haben also keine Chance auf den Sieg, ausgenommen natürlich Eddy Merckx, der ist immer die Ausnahme.
Also rein qualitativ: eine Stunde volle Power gegen den Wind in der Ebene und gegen die Schwerkraft am Berg, das macht den Sieger.
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| :: Wie erreicht man die hohe Geschwindigkeit? |
Erreichen ist kein Problem, flach auf 50 km/h zu beschleunigen oder bei 7%-Steigung auf 25 km/h zu kommen,
ist auch für Hobbyfahrer möglich. Nur muss man die Geschwindigkeit auch halten, leider wird man durch drei Kräfte schnell gebremst:
Das sind vor allem der Luftwiderstand FLW und die Hangabtriebskraft FHA.
Weniger bedeutend ist zunächst die Rollreibung FRR. Die gesamte bremsende Kraft ist also
FBrems= FLW + FHA + FRR oder
FBrems= k1v2 + Mg sin(α) + k2Mg
Der Luftwiderstand ist dabei proportional dem Quadrat der Geschwindigkeit v2 (für Kenner: Newtonsche Reibung),
die Konstante k1 hängt dabei von Querschnittsfläche und Form von Fahrer und Rad ab sowie der Luftdichte ab (siehe weiter
unten). Die Hangabtriebskraft hängt natürlich von der Gesamtmasse M von Fahrer und Rad sowie von der Steigung der Strasse ab,
hier beschrieben durch den Sinus ihres Neigungswinkels α. Dabei ist g die gute alte Graviationskonstante 9.81
kgm/s2.
Zuletzt ist die Rollreibung ebenfalls M proportional, die Konstante k2 enthält Reifendruck, Strassenbelag und
Mantelmaterial. Um nun eine erreichte Geschwindigkeit v aufrecht zu erhalten, muss man gegen diese Kraft Arbeit verrichten.
Die dabei aufzubringende Leistung P ist:
P = Arbeit/Zeit = Kraft x Weg/Zeit = Kraft x Geschwindigkeit
P = k1v3 + Mg sin(α) v + k2Mg v
Wir gehen mal davon aus, dass wir tatsächlich die ganze körperliche Leistung auf die Strasse
bringen, tatsächlich verschwinden aber 1-2% in den Lagern und allen Teilen, die man schön ölen sollte.
Was lehrt uns das (ausser, dass Formelsatz mit HTML ein zweifelhaftes Vergnügen ist)?
| | :: Leistung am Berg |
| Am Berg strengt der zweite Term
PBerg≈ Mg sin(α) v am meisten an. Bei gegebener Leistung (oder gegebenem Leistungsvermögen) P heisst das
für die aufrecht
erhaltbare Geschwindigkeit v:
v ≈ P/Mg sin(α) ~ P/M
Entscheidend ist also, welche Leistung man in jedes Kilo Gewicht stecken kann, um es den Berg hochzuwuchten. Leichte
Fahrer sind schön im Vorteil, ein paar Profi-Beispielleistungen an klassischen Anstiegen zeigt die Tabelle:
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| Rg. |
Name |
cm |
kg |
kg inkl
Rad |
Watt |
Watt/kg
inkl Rad |
Ort |
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1. |
Marco Pantani |
172 |
56 |
65 |
403 |
6,20 (100%) |
TDF, Alpe d'Huez, 1997 |
|
2. |
Tony Rominger |
175 |
65 |
74 |
450 |
6,08 (98,1%) |
Col de la Madone, 1994 |
|
3. |
Jan Ullrich |
183 |
71 |
80 |
484 |
6,05 (97,6%) |
TDF, Alpe d'Huez, 1997 |
|
4. |
Lance Armstrong |
180 |
72 |
81 |
488 |
6,03 (97,3%) |
TDF, Sestriere, 1999 |
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5. |
Miguel Indurain |
188 |
78 |
88 |
530 |
6,02 (97,1%) |
TDF, La Plagne, 1995 |
Bergleistungen nach www.sportmedinfo.de
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| Marco Pantani liegt also mit 6.2 Watt/Kg vorne.
Dabei bringt er mit Rad 65 kg auf die Waage, leistet im Mittel aber "nur" 403 Watt.
Für Bergfahrten ist demnach die Zahl Watt/Kg eine geeignete Kenngrösse für das wettkampfrelevante
Leistungsvermögen des Sportlers. Wie sieht es aber beim flachen Zeitfahren aus? |
| :: Leistung in der Ebene (EZF) |
| Hier dominiert erfahrungsgemäss der erste Term
k1v3 . Bei gegebener Leistung (oder gegebenem Leistungsvermögen) P heisst das für die aufrecht
erhaltbare Geschwindigkeit v:
v ~ 3√P/k1
Da steht die Masse M aber nicht mehr drin (es sei denn, sie versteckt sich in der Konstanten k1, siehe weiter unten).
Es zählt nur die reine Leistung P. Pech für den kleinen Marco, wegen seiner sparsamen Statur fehlt ihm einfach die Muskelmasse in den
Beinen, um im Zeitfahren die nötige Sieg-Leistung bringen zu können. Ok, 1998 wurde er plötzlich 3. im abschliessenden EZF, aber das war
auch ein echtes Wunder. Ohne Ulles Einbruch in den Alpen wäre er aber chancenlos gewesen. In der Regel spielen die Bergflöhe im Zeitfahren
deshalb keine Rolle. Hier kann auch mal ein kräftiger Typ wie Ekimov vorne landen, der ansonsten keinen Berg hoch kommt, weil er eben zu schwer
ist. Zum Vergleich: bei seinem Stundenweltrekord
1994 trat Miguel Indurain eine mittlere Leistung von 510 Watt ! (siehe auch Details weiter unten), und
da war es nicht weiter
störend, dass er 81 kg auf die Waage brachte, einige davon steckten ja durchaus in seinen kräftigen Oberschenkeln. Im Flachland hat der oft
benutzte Quotient Watt/Kg keine Bedeutung, obwohl damit oft jongliert wird.
Er könnte hier allenfalls als Mass für die Qualität der Muskulatur dienen, falls man annimmt, dass die Muskelmasse linear mit der
Körpermasse wächst und für M dann auch nur das Körpergewicht einsetzt (andere Quellen sagen, bei gleichem Trainingszustand gilt P ~
M3/4). Ein dünner austrainierter Muskel bringt ja auch mehr als ein fetter Schenkel ohne Power! Und um Marco gerecht zu werden:
selbst die (1.90m/100kg)-Radsportsfreunde in meinem Bekanntenkreis hätten gegen seine Beine auch im Zeitfahren natürlich null Chance.
Das Glück von Armstrong, Ullrich und Indurain besteht eben darin, genau die physiologischen Vorraussetzungen auf die Etappe
mitbekommen zu haben, die sie in beiden Disziplinen nach vorne bringt. Ideal wäre ein "Beinmensch mit Hühnerbrust", und ehrlich gesagt,
so sehen einige Profis ja auch aus.
| :: Zwischenkommentar vom Radpanther |
| Ach herjeh, jetzt langts aber bald, Herr Doktor! Da kann ich nur
Jens Voigt zitieren:
"Radfahren ist keine Quantenfüsik, wer stark ist, gewinnt!"
Vielleicht sollte mein Mensch mehr trainieren und weniger klugschwätzen.... |
| :: Test der eigenen Leistung |
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Schön und gut, aber wie kriegt man raus, welche Leistung man über eine Stunde bringen kann?
Dazu braucht man zunächst ein Leistungsmessgerät, viele haben ein Rollenergometer mit Wattanzeige.
Also draufsetzen und treten, verschiedene Watt-Werte eine Stunde halten und sich von Durchgang zu Durchgang steigern, bis es nicht mehr geht.
Ist aber eine langwierige und langweilige Methode. Oder man geht zum Stufentest: Start bei 100 Watt, alle 2-3 Minuten um 10-30 Watt
steigern und solange durchhalten, bis die maximal mögliche Leistung noch 2-3 Minuten durchgetreten werden kann.
Wird in allen Trainingsbüchern hinreichend beschrieben. Die Sportwissenschaft sagt dann, dass die dabei erzielte
Leistung der letzten Stufe mit der maximal möglichen Dauerleistung Pmittelkorrespondiert:
Pmittel ≈ 0.75 Pmax (siehe hier)
Naja, ob 0.75 oder mehr hängt dabei sehr vom Trainingszustand ab, Profis haben da einen höheren Wert: Bei der Vorbereitung auf den Stundenrekord
erzielte Indurain Pmax=570 Watt, bei Pmittel=510 Watt beträgt dieser Quotient damit 0.89.
Die Methode ist also auch nicht sicher. Kann man es auf dem Rad abchecken?
Am Rad hat aber wohl kaum jemand einen Leistungsmesser, wer schraubt sich als Hobbyfahrer schon SRM-Kurbeln dran?!
Die in die Tachos einprogrammierten Leistungsberechnungen kann man knicken, die wissen nicht wie der Wind steht, allenfalls
auf längeren starken Steigungen liefern sie brauchbare Werte. Aber kann man die erbrachte Leistung nicht mit den tollen Formeln
aus der leicht zu messenden Geschwindigkeit berechnen? |
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---> weiter |
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