:: Beim Leistungstest
Jetzt war es soweit! Mein Mensch war beim echten Test bei proformance in Solingen. Faul wie er ist, ist er die paar Kilometer dahin mit dem Auto gefahren und hat sein Rad mitgeschleppt, immerhin hat er einen guten Parkplatz gefunden. Ich hab mich in seiner Sporttasche versteckt und alles beobachtet!
:: Der Testablauf
Morgens hatte er erst nochmal seine Grunddaten vermessen: Ruhepuls 49, Gewicht 62 kg, dazu noch spasseshalber den PolarOwnIndex zu 70. Die Messapparatur sah fast genauso aus wie bei uns im Keller: eine professionellere Rolle, Pulsgurt, diverse Anzeigegeräte am Lenker (konnte ich nicht so genau erkennen), auf dem Tisch die Blutabnahme-Ausrüstung und Computers. Dazu noch ein Ventilator, der fehlt noch im Keller. Während des Warmfahrens wurde dann die Leistungsmessung kalibriert und dann ging es schon los. Start war bei 100 Watt, alle 5 Minuten sollte um 40 Watt erhöht werden, Tretfrequenz so etwa 80. Anfangs hat er noch schwätzen können. Nach jeder Stufe gabs dann einen Piek ins Ohrläppchen, einen auch schon ganz am Anfang.

Da pfeifft er schon auf dem letzten Loch! Und er hat total unprofessionell ein Trikot an...
Dann der übliche Ablauf, der Schweiss bricht aus, die Atmung wird heftiger, das Geschwätz hört irgendwann ganz auf. Nach 6 Stufen war dann bei 300 Watt Schluss mit Lustig. Tja, dann kam der Computer ins Spiel und den ganzen Datenkram erklärt der Mensch lieber selber..
:: Eindrücke
Tja, erstmal ein paar Bemerkungen. Bei der Anzahl der Messwerte kommt schon das erste Dilemma, wenn man schon vorher weiss, dass bei 300 W Feierabend ist. Einerseits will man ja viele Messwerte für schöne Kurven haben, andererseits braucht jedes Intervall schon eine gewisse Länge, damit das Laktat aus den Zellen ins Blut wandern kann, um dann im Ohrläppchen einen brauchbaren Wert zu haben. Viele Messungen hält man als Pumpenfahrer dann gar nicht durch, man muss also eine Kompromiss finden. Die Anfangsstufen fand ich anstrengender als auf dem Tacx zu Hause, auch der Puls war höher. Entweder ist also die Kalibrierung daheim anders oder es lag am munter fortgeführten Schwätzchen, dass die Atmung etwas behindert hat?! Bei den höheren schon sprachlosen Stufen war das subjektive Empfinden nämlich gleich und auch die Pulswerte waren die aus dem Keller gewohnten. Und jetzt zu den Zahlen. Ausgewertet wurde mit der Software winlactat. Die kann man übrigens als Testversion runter laden und dann mit evtl. vorhandenen eigenen Daten herumspielen. Bietet auch eine Möglichkeit zür Körperfettberechnung (bei mir ergibt das 8%).
:: Zwischenkommentar vom Radpanther
Ach du herrje..8% Fett, so ein Hungerhaken, dabei frisst der doch nur Chips und Schokolade?!
:: Das Testergebnis
Trainier halt öfters, kleiner Dickwanst...
Die gemessenen Puls- und Laktatwerte werden in einem gemeinsamen Diagramm über der getretenen Wattzahl aufgetragen. Im Diagramm kann man auch die jeweilige gewichtsbezogene Leistung (Watt/kg) ablesen, da kommt man als besagter Hungerhaken nämlich besser weg...
:: Die Laktat-Kurve

Im Überblick. Die IANS liegt hier bei 4 mmol/l Laktat (Originalgrafik)
Wichtiger Parameter ist die Individuelle Anaerobe Schwelle (IANS), die hier gemäss Mader-Modell statisch auf 4 mmol/l Laktatkonzentration gesetzt wird (vgl. Indurain Experiment). Um an die zu 4 mmol/l Lakat gehörige Leistung zu kommen (dafür hat man ja nicht unbedingt einen genauen Messwert), wird die Laktat/Watt-Kurve durch eine Exponentialkurve angenähert (blau-gestrichelt). So stehts im Handbuch zum winlactat-Programm:

Das Madermodell berechnet die Leistung der individuellen anaeroben Schwelle über die 4 mmol/l Blutlaktatkonzentration des Kurvenfits. Als Test-Voraussetzung sollte eine Stufenlänge von 5 min gelten.
"Der Bereich des Übergangs zwischen der rein aeroben zur partiell anaeroben, laktazid gedeckten muskulären Energiestoff -wechselleistung wird als aerob-anaerobe Schwelle der Arbeitsmuskulatur unter den gegebenen Belastungsbedingungen bezeichnet. [...]. Als Kriterium zur Erfassung der aerob-anaeroben Schwelle bei spiroergometrischen Untersuchungen kann der Anstieg des Laktatwertes auf 4 mmol/l im peripheren Blut, z. B. bei stufenweiser Belastungssteigerung gewertet werden." (aus: „Zur Beurteilung der sportartspezifischen Ausdauerleistungsfähigkeit im Labor“, Mader, A.; Liesen, H.; Heck, H.; Phillipi, H.; Rost,R.; Schürch,P.; Hollmann,W. 1976)

Wie interpretiert man das Resultat? Die 300 Watt sind mit 4,8 Watt/kg gar nicht so übel für die Jahreszeit, zumindest für den Hobbyfahrer. Ein 90kg-Kraftpotz müsste für den Wert schon auf 450 Watt kommen. Auch die Lactattoleranz/bildung ist mit 12-13 ganz gut. Die Muskulatur hatte kraftmässig auch keine Probleme bei der Ausbelastung, der Kreislauf war der begrenzende Faktor, schliesslich war mein gewohnter Maximalpuls von 186-189 erreicht. Schlecht ist der zu schnelle Anstieg der Laktatkurve, hier wäre ein flacherer Verlauf (schwarz-gestrichelt) wünschenswert. So werden viel zu früh die Kohlenhydrate verfeuert. Es fehlen noch die Grundlagen, angesichts der wenigen gefahrenen Kilometer in Dezember und Januar durchaus verständlich, maximal 60-minütiges Rollentraining hilft hier nicht richtig.
:: Die Folgerungen
Zunächst können mit obigen Werten folgende Trainingsbereiche festgelegt werden, dabei beziehen sich die prozentualen Angaben auf die Leistung bei der IANS (182 Watt):

RekomGA1GA2WSASpitze
%Pmax50-60%60-75%75-90%90-110%110-130%
Puls117-122122-130130-143143-161162-176
Lakat1,6-1,91,9-2,52,6-3,33,3-4,84,8-6,9
Watt91-109109-136137-163163-200200-236
Watt/kg1,5-1,81,8-2,22,2-2,62,6-3,23,2-3,8
Tabelle der nackten Wahrheit
Es besteht also durchaus Hoffnung, dass vermehrtes Training bei besserem Wetter die Grundlagen verbessert. Vorausgesetzt, das Tempo wird gezügelt. Erfahrungsgemäss liegt mein durchschnittlicher Puls eher bei 140-150, und das ist zu hoch. Für ein Jahrespensum von etwa 7000km bei etwa 52000 Höhenmeter ist ein Schnitt von 27 km/h auch zu hoch. Ok, haben wir ja irgendwie schon gewusst, aber so hat mans wenigstens mal Bunt auf Weiss! Und im Sommer wird bei Hochform noch mal nachgemessen!
:: Zwischenkommentar vom Radpanther
Und was hat der Typ nach dem Test gemacht? Ist erstmal 80km durch die Hügel gebrettert, und ganz bestimmt immer GA-dingsbums, ja genau!