:: Profi-Leistung: Untersuchungen der Universität Freiburg
Eine feine Quelle für wissenschaftliches Material zum Thema Radsport sind einige Arbeiten von Stapelfeldt et al. von der Uni Freiburg (der Autor unterhält übrigens ein eigenes radlabor). Darin werden u. a. die Leistungen von sechs nicht namentlich erwähnten Radprofis während einer 605km langen 5-Etappen Rundfahrt der Kategorie 2.3 untersucht (man kann spekulieren, ob es sich dabei um Telekomiker handelt, da an der Untersuchung auch deren Hausarzt Lothar Heinrich beteiligt ist). Diese Rundfahrt durften die Sportsfreunde mit SRM-Gerät und Pulsmesser absolvieren, um so an objektive Daten zu gelangen. Der Autor betont ausdrücklich, dass die Untersuchung damit ein von allen physiologischen Variablen unabhängiges Bild der erbrachten Fahrleistung liefert.
:: Stufentest zur Einstimmung
Zunächst wurde auf dem Ergometer mal festgestellt, was die sechs Probanden überhaupt so aufs Pedal bringen können. Gefragt waren dabei die Parameter aerobe Schwelle AS (Laktat steigt merklich über das Grundniveau an, kann aber noch vom Körper unter Kontrolle gehalten werden)), individuelle anaerobe Schwelle IANS (Laktat steigt stark bis exponentiell an, weil der zunehmende Anteil der anaeroben Energiebereitstellung mehr davon abwirft als wieder abgebaut werden kann) und Ausbelastung (Endleistung im Stufentest).
:: Zwischenkommentar vom Radpanther
Ach herrjehmineh, jetzt gehts wieder mit dem Laktat und den Schwellen los! Böses Laktat, tolles Glykogen, da erzählt doch eh jeder was anderes...
Haste nicht ganz unrecht - mittlerweile hat sich aber die Erkenntnis (oder Meinung) durchgesetzt, dass Laktat nichts böses ist, sondern nur eine Kennzahl dafür, in welchem Stoffwechselbereich Du Deine Muskulatur und deinen Kreislauf gerade belastest. Grob gesagt, wenn Du so reintrittst, dass Deine langsamen aber genügsameren Typ I-Muskelfasern nicht mehr ausreichen dein Tempo zu halten , dann fangen die schnellen Typ II-Fasern an mitzumischen. Die bringen zwar erstmal mehr Power, sind aber auch in der Versorgung anspruchsvoller und ermüden schneller. Nebenbei produzieren diese Fasern während der anaeroben Glykolyse (so nennt sich deren Stoffwechselprozess nun mal) Laktat. Und wenn man nun im Blut vermehrt Laktat findet, dann weiss man: Uii..der Typ haut so doll rein, dass er schon in einem Stoffwechselbereich unterwegs ist, den er nicht allzulange durchhalten kann. Das Laktat selber ist also mehr Indikator als "Giftstoff" und kann in Maßen in den Typ I-Muskelfasern wieder selber zur Energiegewinnung genutzt werden. Ist zumindest beim Mensch so, vielleicht ist bei Panthern alles anders...
:: Zwischenkommentar vom Radpanther
Typ I und Typ II... also Typ I und aerob entspricht auf sparsamem Diesel tuckern und Typ II und anaerob ist dann mit hohem Verbrauch Superbenzin verballern und schnell mit leerem Tank da stehen, oder wie?
So ungefähr...und der Laktatwert entspricht dann dem Verbrennungsprodukt vom Superbenzin. Aber jetzt zurück zum Thema: Die gemittelten Ergebnisse ergaben sich zu:
aerobe Schwelleanaerobe Schwelle Maximum
Watt/kgHR /minWatt/kgHR /min Watt/kgHR /min
2,941374,57163 5,46187
Der Autor führt Stufentests übrigens wie folgt durch: Start bei 100 Watt, jede Watt-Stufe drei Minuten treten und dann um 20 Watt erhöhen, zwischen den Stufen keine Pause. Nachdem nun die grundsätzliche Leistungsfähigkeit beziffert war kam jetzt die Preisfrage: wie siehts im Rennen aus? Denn was zählt, ist auf der Strasse...
:: Ergebnisse im Rennen
Die Messungen lieferten folgende Mittelwerte für unsere sechs Probanden auf den sechs Etappen:
Typs[km] t[h]P[W/kg]Puls[1/min] E[kJ]E/s [kJ/km]
Hügel165 3:55,28 2,66 141 2735 16,6
Berg 163 4:14,02 2,79 140 3209 19,7
flach 90 1:57,18 3,8 147 1705 19,6
BZF 13 0:23,33 5,48 169 613 47,1
Hügel 168 3:53,42 2,66 140 3051 18,2
Hügel 160 3:57,13 2,66 141 3371 21,1
Die angegebenen Energiewerte sind übrigens das 4-fache der ins Rad gesteckten Energie, weil der menschliche Körper beim Radeln nur einen Wirkungsgrad von 25% hat. Wenn man anhand der Angaben etwas recherchiert, dann stellt man fest: Das Rennen war die Regio-Tour 2000, die von Armstrong-Spezi Filippo Simeoni vor Ivan Basso und Andreas Klöden gewonnen wurde. Die Telekom-Fahrer waren dabei Klöden, Aldag, Grabsch, Heppner, Hondo, Schaffrath und Schreck. Sind zwar sieben, aber ich wette, um sechs von denen gehts hier. Etappe 4 war ein Bergzeitfahren vom Glottertal (Dr.Brinkmann lässt grüssen) nach St. Peter, gewonnen wurde es von Basso. Die Daten kann man jetzt interpretieren oder es sein lassen. Auffällig: beim Bergzeitfahren bringen sie über 20 Minuten fast mehr als in der Endstufe vom Ergometertest. Liegt zum einen an der motivierenden Situation im Rennen, zum anderen an den ganzen zuvor absolvierten Stufen, die ja auch schon Körner gekostet haben. Weitere interessante Folgerung der Autoren: pro Kilogramm Körpergewicht und pro gefahrenem Kilometer müssen die Fahrer zwischen 0,2 und 0,7 kJ aufwenden. Das macht dann im Mittel 7000kJ auf einer 250km Etappe und das ist weit weniger als manche anderen Autoren behaupten und daraus ableiten, dass dieser Bedarf nicht mit "normaler" Ernährung gedeckt werden kann und den Verdacht auf Doping nahe legen...Dieser These widersprechen die Freiburger Autoren!